Judenbank

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‘Judenbank’

Als Teil des Erinnerungsprojektes Fontanepromenade 15 wird eine Parkbank in leuchtendem Gelb gestrichen. Die Parkbank steht in Verbindung mit einem ebenso neongelben Zebrastreifen, der zusammen mit der ab Mai 2013 errichteten Informationsteele über die Geschichte der Fontanepromenade 15 informiert, und ein visuelles Gefüge bildet. Es ist eine Temporäre Intervention für die Dauer von sechs Monaten, die mit einer Auftaktveranstaltung am Donnerstag den 23. Mai 2013 eröffnet wird und die Partizipation verschiedener Nutzergruppen (KITA, Schule, Anwohner, etc.) über den Projektzeitraum integriert.

Das Projekt ‘Judenbank ist ein Kooperationsprojekt im Berliner Themenjahr 2013 zwischen dem Aktiven Museum. Faschismus und Widerstand in Berlin e.V., dem Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Helga Lieser F217, dem Nachbarschaftshaus Urbanstrasse e.V. & flattenflatten.

Konzeptionsdesign der Judenbank © Christina Voigt

Judenbank

Entwurf der Schinkelbank mit gelben Planken © Arnd Flatten

Geschichtlicher Hintergrund

Bereits 1933 begann die systematische Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten in Berlin. Den Auftakt bildete die ‚Säuberung’ der Grenadierstrasse im Scheunenviertel seitens der SS. Durch das in Kraft treten der Nürnbergergesetze am 15. September 1935 und der Ver­schärfung der Judenpolitik ab 1938 wurde der Boden ge­schaffen um die zunehmende Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung voranzutreiben und diese im Stadt­bild zu manifestieren – u.a. in Form der gelben Parkbänke (‚Judenbank’).

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Ein kleines Baby liegt auf einer Parkbank mit de Aufschrift ‘J’, Berlin 1938. Abgebildet ist Marianne Harpuder. Mit freundlicher Unterstuetzung des United States Holocaust Museum,courtesy of Ralph Harpuder.

Im Juli 1938 veranlassen das Rassenpolitische Amt der NSDAP und das Reichspropagandaministerium die Stadtverwaltung in allen Berliner Gegenden mit einer hohen Konzentration Jüdischer Einwohner einige wenige Parkbänke mit mattgelbem Farbanstrich und der Aufschrift ‘Nur für Juden’  zu versehen. Ebenso wird mit Kinderspielplätzen verfahren’ (Stadtarchiv Leipzig, Kap. 1, Nr. 122, Bl. 136; Stadtplanungsamt Berlin/ Park- und Gartenbauamt am 20.07.1938. In: Gruner, Wolf: Judenverfolgung in Berlin 1933-1945: eine Chronologie der Behördenmassnahmen in der Reichshauptstadt. Stiftung Topographie des Terrors, 2009).

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Olivaer Platz in Berlin, 1937 ©Julien Bryan. Mit freundlicher Unterstützung des Julien Bryan Archive als Teil des United States Holocaust Memorial Museum.

Judenbänke in Kreuzberg

Am Beispiel der Fontanepromenade 15 lässt sich auf mikro­geschichtlicher Ebene nachvollziehen und anhand der Materialien belegen wie die schikanöse Behandlung im öffentlichen Stadtraum Kreuzbergs umgesetzt wurde.

So stellt am 22. Juli 1940 der NSDAP Orts­gruppen-leiter „Urban“ den Antrag auf die Errichtung einer Juden­bank. Die Ortsgruppe schlägt vor eine der Bänke entlang der Fontanepromenade 15 gelb zu streichen und mit dem Vermerk ‚Nur für Juden’ zu versehen. Am 17. August 1940 sind laut Akten zwei Judenbänke aufgestellt worden und die restlichen Bänke mit der Aufschrift ‚Nicht für Juden’ versehen worden (Quelle: Akten des Gartenbauamtes Wedding).

July 1945: Elderly citizens of Berlin rest on a bench marked ‘Not for Jews’, an ugly reminder of Nazi days. (Photo by Fred Ramage © Getty Images)

Projekt-Realisierung

Das Projekt ist vom zuständigen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und dessen Gedenktafelkommission diskutiert worden und dessen Realisierung bestätigt worden.
Die finanzielle Realisierung erfolgt durch den Projektpartner ‘Aktives Museum. Faschismus und Widerstand in Berlin. e.V.’.

Am 23.Mai 2013 ist die Bank der Öffentlichkeit im Rahmen der feierlichen Gedenkveranstaltung vorgestellt worden:

 

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